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«Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens»

Das Buch erzählt die Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens von ca. 1850 bis heute. Drei Motive des Teilens – die ökonomische, politische und soziale Intention – gliedern die historische Analyse der Wohnobjekte, die in neun Wohnmodellen untersucht werden. Im Vergleich lassen sich ihre Entstehungshintergründe, unterschiedliche Nutzungsformen und deren Entwicklungslinien bis heute anschaulich machen und zeigen so, wie sich das alltägliche gemeinschaftliche Zusammenleben, die Abstufung der Wohnintimität, aber auch der Öffentlichkeitsgrade in Europa gestaltet. Durch die umfassende Darstellung, die Analyse der Typologie, Haushalts- und Lebensformen und Nutzer- und Expertenbefragungen kann das Buch als Lexikon des gemeinschaftlichen Wohnens genutzt werden. Ein prägnanter Überblick, der sowohl die architektonischen wie die soziologischen und wirtschaftlichen Aspekte der Thematik in den Fokus nimmt.
 

Effizienz und Rationalisierung: Teilen als ökonomische Intention

Die ersten drei vorgestellten Wohnmodelle des gemeinschaftlichen Zusammenlebens – die Großwohneinheiten der Frühsozialisten, die Ledigenheime und Boardinghäuser für die Stadtnomaden sowie die Einküchenhäuser als Reformmodell – können einer primär ökonomischen Intention zugeordnet werden. Das heißt nicht, dass die Initianten dieser gemeinschaftlichen Wohnformen keine politischen und sozialen Beweggründe hatten. Im Zentrum dieser gemeinschaftlichen Wohnmodellen stand in der Folge der Industrialisierung bis hin zum Zweiten Weltkrieg jedoch vor allem der Zugang zu erschwinglichem und qualitativ besserem Wohnraum für benachteiligte Nutzergruppen.
 

Fortschritt und Stabilität: Teilen als politische Intention

Die drei Wohnmodelle – Gartenstädte und Wohnhöfe als sozial-reformerische Vision, Gemeinschaftssiedlungen als inszenierte Nachbarschaften sowie Wohnkooperationen mit dem Öffnen der Wohnräume – sind geprägt durch politische Intentionen der qualitativen Verbesserung des Wohnens und der gesellschaftlichen Stabilisierung. Trotz unterschiedlicher Ausprägung richten sich diese gemeinschaftlichen Wohnmodelle primär an die Kernfamilie als Nutzergruppe, für die guter und rationell geplanter Wohnraum zur Verfügung stehen soll. Neue Wohnformen mit gemeinschaftlichen Räumen für andere Nutzergruppen entstanden in dieser Phase nicht.
 

Suffizienz und Partizipation: Teilen als soziale Intention

Bei den neusten drei gemeinschaftlichen Wohnmodellen – Wohn- und Kulturprojekte als Ausdruck der Gemeinschaft, Großhaushalte und Clusterwohnungen mit Service sowie Co-Living als vernetztes und dezentrales Wohnen – stehen soziale Intentionen im Vordergrund. Wohnen wird in dieser sich weiterhin diversifizierenden Entwicklungsphase kommunikativer, vernetzter und vielfältiger. Nicht nur Nutzergruppen des gemeinschaftlichen Wohnens werden breiter und bunter, sondern auch die angebotenen privaten wie auch gemeinschaftlichen Wohnräume und Ausstattungen. Im Gegensatz zu den Wohnmodellen der Vergangenheit ist damit zu rechnen, dass diese aktuellen Wohnmodelle sich in unterschiedlichen Variationen weiter verbreiten und entwickeln werden.
 

Herausgeberteam

Susanne Schmid, Dietmar Eberle, Margrit Hugentobler

Autorin

Susanne Schmid

mit Beiträgen von

Ingrid Breckner DE-Hambug, Angelus Eisinger CH-Zürich, Kathleen Scanlon GB-London

Verlag

Birkhäuser Basel, Edition Wohnen ETH Wohnforum – ETH CASE

ISBN 978-3-0356-1851-8 (Deutsch)
ISBN 978-3-0356-1851-1 (English)

Hardcover mit zahlreichen Abbildungen und Plänen auf 324 Seiten